Test

  • von Kon­rad Ege
    Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on gegen die Erd­gas­lei­tung war ges­tern. Sie ist für die USA nicht rele­vant genug, um in Euro­pa poli­ti­sches Kapi­tal zu ris­kie­ren Inmit­ten der deut­schen Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe und eines Flam­men­in­fer­nos an der US-West­küs­te hat der Streit über die Erd­gas­tras­se Nord Stream 2 zunächst ein Ende gefun­den. Prä­si­dent Biden schien weder Lust zu haben noch die Ener­gie auf­brin­gen zu wol­len für die andau­ern­de Kon­tro­ver­se um das zu fast hun­dert Pro­zent abge­schlos­se­ne Pro­jekt für den Erd­gas-Trans­fer nach Deutsch­land. Die USA ver­zich­ten auf Sank­tio­nen. So sieht Real­po­li­tik nach Donald Trump aus. Die USA han­deln in ihrem Inter­es­se, sagt die Regie­rung Biden, doch nicht im Alleingang. […]
  • von Susan­ne Ber­ken­he­ger
    Eine Trans­frau hebt Gewich­te, eine Par­ty eska­liert. Fair, unfair – egal? Stel­len Sie sich vor: Mit Freun­den ver­fol­gen Sie die her­aus­ra­gends­te der olym­pi­schen Dis­zi­pli­nen live: Das Gewicht­he­ben der Frau­en. Sie haben Häpp­chen vor­be­rei­tet und Geträn­ke zum syn­chro­nen Rei­ßen und Sto­ßen. Die Stim­mung ist famos. Lau­rel Hub­bard, die ers­te Trans­frau der olym­pi­schen Geschich­te, Schwer­ge­wicht, betritt die Platt­form. Hub­bard bückt sich nach der Lang­han­tel, Sie nach Bier oder Spru­del. Hub­bard wuch­tet, Hub­bard zit­tert und … da sagt plötz­lich einer Ihrer Gäs­te: „Das ist total unfair!“Das, lie­be Lesen­de, ist ein Alarm­si­gnal. Pei­ni­gen­de Debat­ten kün­di­gen sich an. Sze­na­rio eins: Jemand ant­wor­tet: „Sport ist nie […]
  • von Redak­ti­on
    Zum Ärger vie­ler ord­ne­te Denis Scheck kürz­lich Chris­ta Wolf in sei­nen „Anti-Kanon“ ein. Aber gehört der Eklat nicht zur Lite­ra­tur wie Mar­cel Reich-Rani­cki zum „Quar­tett“? AAb­nei­gung Der Emi­grant Tho­mas Mann bezog 1942 bei Los Ange­les eine Vil­la mit 20 Zim­mern. Der Emi­grant Ber­tolt Brecht muss­te in glei­cher Gegend mit einem deut­lich beschei­de­ne­ren Domi­zil vor­lieb­neh­men. Umso mehr amü­sier­te ihn das groß­bür­ger­li­che Reprä­sen­ta­ti­ons­geh­a­be des „Zau­be­rers“, dem er in inni­ger Abnei­gung ver­bun­den war. 1932 hat­te Brecht in der Bal­la­de von der Bil­li­gung der Welt ein­flie­ßen las­sen: „Der Dich­ter gibt uns sei­nen Zau­ber­berg zu lesen / was er (für Geld) da spricht, ist gut […]
  • von Bar­ba­ra Schwei­zer­hof
    M. Night Shy­a­mal­an zeigt mit „Old“, dass er sein inne­res Kind gut ver­steht Zum Fil­men­de hin fragt ein mit­tel­al­ter Mann namens Trent sei­ne Schwes­ter, ob es wohl allen Erwach­se­nen so geht: dass sie sich inner­lich immer noch wie Kin­der fühl­ten? Was nach rein rhe­to­ri­scher Fra­ge klingt, hat in M. Night Shy­a­mal­ans neu­em Film Old eine ganz eige­ne Rele­vanz. Denn Trent haben wir zu Beginn als Sechs­jäh­ri­gen ken­nen­ge­lernt, am Schluss ist die Figur über 50 und wird vom inzwi­schen vier­ten Schau­spie­ler dar­ge­stellt. In der Hand­lung sind aber nicht Jah­re, son­dern kaum mehr als 24 Stun­den vergangen.Womit kei­nes­wegs das „über­ra­schen­de Ende“ verraten […]
  • von Elsa Koes­ter
    Strand­mo­de kau­fen bedeu­tet Boo­bie-Krieg. Wer nicht den Nor­men der Indus­trie ent­spricht, hat’s schwer Ich mag mei­ne Brüs­te. Ich mei­ne, ich mag ihre Grö­ße, ihre Form, ich mag es, wie sie sich rund und groß machen, um neu­gie­rig in die Welt hin­aus­zu­plat­zen, wenn ich rich­tig gute Lau­ne habe. Und ich mag es auch, wenn sie müde, welk und unför­mig her­un­ter­wab­beln, wenn es mir nicht gut geht. Sie machen mir nichts vor. Das fin­de ich sympathisch.Jetzt war­tet man irgend­wie auf das Aber, oder? Nein, da kommt kein Aber. Ich mag mei­ne Brüs­te so, wie ich mei­ne Hän­de mag mit den run­ze­li­gen Fingern […]
  • von Fran­zis­ka Bracht­häu­ser
    Juris­ti­sche Stan­dard­wer­ke nicht län­ger nach Natio­nal­so­zia­lis­ten zu benen­nen, reicht nicht aus. Es muss auch um Macht­struk­tu­ren in der Rechts­wis­sen­schaft gehen Die deut­sche Rechts­wis­sen­schaft ist für gro­ße Schrit­te nicht bekannt. Der C.H. Beck Ver­lag hat jetzt einen Schritt getan: Der Schön­fel­der und der Palandt wer­den umbe­nannt. Ein gro­ßer Schritt schein­bar für den Ver­lag. Aber für die Rechtswissenschaft?Nach Jah­ren der Debat­te gab der für sei­ne juris­ti­schen Publi­ka­tio­nen bekann­te Ver­lag jüngst die geplan­te Umbe­nen­nung von Wer­ken bekannt, die nach akti­ven Natio­nal­so­zia­lis­ten benannt sind. Für Auf­re­gung sorgt vor allem die Unbe­nen­nung des Stan­dard­kom­men­tars zum Bür­ger­li­chen Gesetz­buch, dem Palandt. Bereits ab Novem­ber 2021 soll er […]
  • von Kon­stan­tin Nowotny
    Bil­lie Eilish legt mit „Hap­pier Than Ever“ ein Album vor, das in sei­ner Qua­li­tät an ein erha­be­nes Spät­werk erin­nert. Kaum zu glau­ben, dass es nur eine Etap­pe blei­ben wird „Ich wer­de älter“, ist einer die­ser Sät­ze, der aus dem Mund einer 19-jäh­ri­gen wie ein Vor­wurf klin­gen kann. Im Fal­le von Bil­lie Eilish, der US-ame­ri­ka­ni­schen Pop­sän­ge­rin und Song­wri­te­rin, die 2020 neben unzäh­li­gen ande­ren Prei­sen alle vier Gram­my-Kate­go­rien gewann – als jüngs­te Per­son und ers­te Frau über­haupt –, hat der Satz aber eine gewis­se Berech­ti­gung. Denn die Sta­di­en, die jun­ge Künst­le­rin­nen und Künst­ler vor ihr in zehn Jah­ren durch­lie­fen, absol­vier­te sie in […]
  • von Wolf­gang Chr. Goe­de
    Der umju­bel­te „Deutsch­land­ach­ter“ ver­pass­te die Gold­me­dail­le in Japan. Nun hät­ten die Ver­bän­de Zeit, end­lich auch die trü­be NS-Ver­gan­gen­heit ihres Sports auf­zu­ar­bei­ten Am 14. August 1936 hät­te es Hit­ler däm­mern müs­sen: Dass es mit sei­ner Hel­den­ras­se nicht so weit her war – sein Wahn bereits an der rea­len Sport­welt schei­ter­te. Bei den Olym­pi­schen Spie­len war er Zeu­ge, wie die Königs­klas­se auf dem Was­ser, der Haken­kreuz-Ruder­ach­ter von Außen­sei­tern aus Seat­tle geschla­gen wur­de. Selbst daheim wur­den die US-Jungs als „Wald­schra­te“ belä­chelt. Der Welt­best­sel­ler The Boys in the Boat (2014) hält fest, wie Hit­ler wut­schäu­mend von der Tri­bü­ne stürmt.Dass der afro­ame­ri­ka­ni­sche Leicht­ath­let Jes­se Owens […]
  • von Micha­el Hamet­ner
    Am Leip­zi­ger Lite­ra­tur­in­sti­tut geht die Ära Josef Has­lin­ger zu Ende. Wel­chen Kos­mos ver­lässt er? Nach 25 Jah­ren räumt Josef Has­lin­ger sei­nen Schreib­tisch im Deut­schen Lite­ra­tur­in­sti­tut in Leip­zig auf. Ich tref­fe ihn umge­ben von Bücher­ber­gen, die für Bücher­men­schen immer das Sicht­bars­te sind, was bleibt, wenn sie – wohin auch immer – gehen. Ich darf mir wel­che aus­su­chen und fin­de auf die Schnel­le drei. Has­lin­ger hat die Aus­bil­dungs­stät­te für Schrift­stel­ler in Rota­ti­on mit zwei Kol­le­gen gelei­tet. Er schrieb unter ande­rem die Roma­ne Opern­ball (1995) und Vater­spiel (2000), im Vor­jahr erschien mit Mein Fall ein auto­bio­gra­fi­scher Bericht über sexu­el­len Miss­brauch in der Kirche. […]
  • von Kevin Neu­roth
    In Xavier Dolans „Mat­thi­as & Maxi­me“ suchen zwei das rich­ti­ge Leben im fal­schen Solch eine Sze­ne kennt man aus vie­len Com­ing-of-Age-Fil­men: ein Land­haus in idyl­li­scher Kulis­se, jun­ge Men­schen, die aus­ge­las­sen fei­ern. Der wohl­ha­ben­de Rivet­te (Pier-Luc Funk) hat eine Grup­pe von Schul­freun­den ein­ge­la­den. Auf dem Sofa wird die Bong her­um­ge­reicht, es gibt Ran­ge­lei­en und Gegrö­le. Bloß dass die Män­ner hier kei­ne Teen­ager mehr sind, son­dern auf ihren 30. Geburts­tag zuge­hen. „Cool kids stuck in the past“, heißt es in dem Arca­de-Fire-Song, der im Film läuft.Auch die Kind­heits­freun­de Mat­thi­as (Gabri­el D’Almeida Frei­tas) und Maxi­me (Xavier Dolan) sind aus alter Ver­bun­den­heit hier. Irgendwann […]